Saison 2011? Läuft.

Endlich, endlich ist es soweit: Nach viereinhalb langen, kalten und segelfreien Monaten geht es zurück ins Wasser. Während wir die gute alte „Maverick“ damals beim ersten Zuwasserlassen 2005 sogar noch geslippt haben, die Nachfolgeboote immer allein oder zu zweit gekrant und zusammengebaut wurden, ist der Krantermin bei solch einem elf-Tonnen-Boot ein ganz anderer Schnack. Zu sechst (!) waren wir am Samstagmorgen um elf im Yachthafen. Mit weniger Leuten ist es schlicht nicht möglich, die 12-Meter-lange Alu-Palme aus dem Regal zu wuchten und zum Mastenkran zu schleifen. Wahnsinn, diese Dimensionen.

Kaum ist das Boot im Harburger Hafenbecken abgesetzt, stürze ich unter Deck, reiße alle Schapps auf und Bodenbretter hoch, hinter denen sich Seeventile befinden. Alles dicht. Cool. Das letzte Jahr sind wir nämlich eigentlich permanent geregelt abgesoffen – soll heißen, ganz dicht waren wir nicht. Das Seeventil im Laderaum an Steuerbord, auf dem die Cockpitlenzer und der Ablauf des achteren Waschbeckens zusammenlaufen, ließ etwas Wasser hinein. Die neue Dichtung hat sich gelohnt. Nur das vordere Ventil in der Nasszelle leckt ein paar Tropfen, wird aber innerhalb einer Stunde dicht. Gut.

Das Maststellen wird hektisch. Schließlich ist bald Mittagspause und danach stehen vier Krantermine an. Schnell bauen wir das Rigg zusammen, schmieren die Gummimanschetten an den Salingen mit Spüli, drücken sie in die Halterungen. Aber bei der einen Saling will die Sicherungsschraube einfach nicht mehr passen. Wie kommt das? Es dauert eine Stunde, bis wir die Manschette anders herum montieren und so der Schraube genug Platz lassen. Das hält. Dann entspannt sich die Lage: Ein Krantermin wurde abgesagt. Wir haben eineinhalb Stunden Zeit, um klar zu werden. Puuuuh.

Zeit, für eine Pause auf dem Achterdeck. Die Sonne kommt heraus, es wird sommerlich warm. Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass Anfang der Woche noch vier Grad, zeitweise sogar Schnee angesagt waren! Wurde auch wirklich Zeit, dass der Frühling kommt. Da sitzen wir nun in der Sonne: Mein Kollege Alex und seine Frau Tine, außerdem Nico und Birte aus Bremen. Auch Peter guckt kurz vorbei. Bis auf Alex und Tine wollen wir alle diesen Sommer in Kopperby an der Schlei liegen. Ein kleiner Hafen nahe Kappeln, der uns zu einer zweiten Heimat geworden ist. Peter ist dieses Jahr zum ersten Mal dort. Alex und Tine liegen ein paar Meilen weiter Schleiaufwärts – aber sicher werden wir uns alle diesen Sommer oft zum gemeinsamen Grillen treffen. Hach ja … Schöne Gedanken. Ich hab’s im Gefühl: Die Saison wird ein Knaller!

Um halb zwei geht es weiter, der Mast wird gestellt. Ein Wahnsinns-Gerät. Ich bekomme wirklich Respekt, wenn er über mir hinweg schwebt. Hoffentlich hält die Leine. Alex übergibt den Mastfuß an Nico, der damit auf dem Seitendeck nach achtern wandert. Ich montiere das Kutterstag.Dann führt Nico den Fuß über den Beschlag an Deck, ich prügele den Bolzen durch. Unterwanten fest – Voilá! Er steht. Was bin ich froh, dass die vier mit vor Ort waren – allein mit Cati wäre das etwas stressiger geworden, aus mangelnder Übung.

Schnell ist das Groß angeschlagen. Nico und Birte duften ab, müssen weiter nach Kopperby, das eigene Boot kranen. Auch wir haben es eilig, wollen die Kattwykbrücke auf der Süderelbe um 16 Uhr erreichen. Eine Stunde haben wir nur noch. Die Schleusung läuft schnell und gut. Kaum sind wir auf der Süderelbe, fällt mein regelmäßiger, skeptischer Blick auf die Temperaturanzeige – diesmal (zum ersten Mal bei diesem Boot) zu Recht! 110 Grad. Mist. Der Motor ist zu heiß. Ich schalte ihn ab, lasse uns treiben. Kein schönes Gefühl auf der Süderelbe. Segeln geht auch nicht wirklich. Alex zerlegt den Maschinenraum. Schnell ist der Fehler gefunden: Die Dichtung des Kühlwasserfilters hat nach 23 Jahren aufgegebe. Der Motor bekommt zu wenig Kühlwasser. Alex klebt eine neue Dichtung mit Sikaflex, will auch keine Gummihandschuhe zum Nachstreichen der Masse. Das Ergebnis sieht dicht aus. „Ist jetzt natürlich ne‘ Einmal-Lösung“, erklärt er. Klar, dass das Ding bei nächster Gelegenheit ausgetauscht werden muss. Doch die Temperatur sinkt nicht. Ich klappe den Tisch hoch, mache den Weg von oben an den Motor frei. Der Kühlwasser-Ausgleichsbehälter ist das Ziel. „Furztrocken“. „Suboptimal“, denke ich. Da müsste eigentlich was drin sein. Der Motor war noch nicht heiß genug, um Schaden genommen zu haben – aber irgendwo muss das Wasser ja hin sein. Wir machen kurze Zeit an einem Pram am Ufer fest, füllen Wasser nach – und legen eine Kaffeepause ein. Ein Anruf bei der Kattwykbrücke erklärt, warum sie halb geöffnet ist: Bauarbeiten. Wir kommen locker drunter durch, können uns also die Eile sparen. Nach der Abkühlzeit hält die Maschine die Temperatur. Wir tippen auf einen kaputten Wärmetauscher. Aber das wird erst eine genaue Untersuchung zeigen.

Gegen 17 Uhr laufen wir im City-Sporthafen ein und bleiben dort für eine Nacht. Mit der S-Bahn sind es nur sieben Stationen bis nach Hause. Grund genug, Cati zu überreden, dass ich noch kurz das Display der neuen Logge/Echolot-Kombi einbauen möchte. „Geht auch ganz schnell“. Eineinhalb Stunden später leuchtet das Display im Cockpit, eine zweite Lampe blinkt aus dem Server unter dem Kartentisch. Mäusekino. Cool! Ich bin glücklich 🙂

Gegen halb acht sind wir auf dem Weg nach Hause.

Johannes