Mal wieder segeln …

… wäre doch schön, habe ich noch am vergangenen Sonntag gedacht. Seit wir Ende April in Hamburg losgefahren und Anfang Mai in Kopperby angekommen sind, hat sich das Boot keinen Meter bewegt. Wir hatten ja auch ganz gut mit den Bastelarbeiten zu tun. Da kam eine Gelegenheit heute Nachmittag sehr recht: Unser Verlag (Delius Klasing) ist im Besitz des ersten Schwertzugvogels, der je gebaut wurde. Vor 51 Jahren gewann der Konstrukteur Ernst Lehfeld einen von meinem Arbeitgeber ausgeschriebenen Konstruktionswettbewerb um eine kostengünstige Wanderjolle, die in Eigenarbeit hergestellt werden konnte. Der erste Schwertzugvogel wurde 1960 gebaut. Heute haben wir „G1“ nun aufgetakelt und sind das Stück vom Kran zum Liegeplatz an der Hamburger Außenalster gesegelt. Ein herrliches Boot. Ist schon einige Jahre her, dass ich zuletzt auf einer Jolle gesegelt bin.

Schwertzugvögel haben mich schon immer fasziniert, seitdem mein Namensvetter Wilfried Erdmann 1990, kurz nach dem Mauerfall, einen Sommer lang auf solch einem Boot die Mecklenburg- und Vorpommerschen Küsten- und Binnengewässer bereist hat. Zehn Jahre später ist er diese Seegebiete noch einmal abgesegelt und hat so mit den zwei tollen Büchern „Mein grenzenloses Seestück“ und „Ein deutscher Segelsommer“ den Wandel der Zeit festgehalten.

Handyfoto

Wieder steht ein langes Wochenende an, aber ich werde leider nur am Montag so richtig auf dem Boot sein. Sonntagnachmittag halte ich meinen Vortrag „Allein über den Atlantik“ im Hannoverschen Segelclub am Steinhuder Meer und fahre deshalb schon morgen nach der Arbeit für einen Familiensamstag nach Wolfsburg zu meinen Eltern. Ich freu mich schon sehr darauf.

Eins der nächsten großen Projekte am Boot soll ein zusätzliches Hilfsruder werden, auf das der Windpilot gelenkt wird und mit dem er das Boot steuert. Dann werden wir endlich steuerfrei 🙂 Das Ruder soll aufholbar sein, damit es bei Hafenmanövern nicht stört. Ich habe heute schon vom Windpilot-Hersteller ein Foto von einem System bekommen, das ziemlich gut funktionieren sollte. Nun muss ich es nur in unserer Bootsgröße nachbauen. Während des Schiffbaustudiums habe ich vor einigen Jahren mal CAD-Zeichnen gelernt. Vorhin habe ich mir nun eine 30-Tage-Testversion von TurboCAD für den Mac heruntergeladen. Mal schauen, ob sich der Plan in meinem Kopf damit visualisieren lässt. Die Idee ist so simpel, wie genial: Am Heck sind bereits zwei Ruderhalterungen. Da wird einfach eine Achse durchgesteckt, an der ein zusätzliches Ruder angehängt wird. Damit ist es dann auf der Achse aufhol- oder absenkbar. Zugleich habe ich dann ein zweites, unabhängiges Ruder als Backup. Wird motort oder von Hand gesegelt, ziehen wir das Hilfsruder aus dem Wasser, – soll aber die Windsteueranlage ihren Dienst tun, wird das Ruder ins Wasser gelassen und das Hauptruder festgestellt.

Endlich habe ich auch ein Foto eines Schwesterschiffes bekommen. Der Royal-Cape-Yacht-Club (dessen Kürzel noch immer am Heck der „Gipsy Girl“ kleben) hat mir den Eigner einer „Oceanbound 39“ vermittelt. Das ist der gleiche Rumpf, mit einem anderen Deck. Verblüffend ist, dass der „Seeteufel“ fast so aussieht, wie eine gestreckte Contest 33 – unser letztes Schiff. Gar nicht so verblüffend jedoch, wenn man weiß, dass der Konstrukteur „Poppy“ Bongers das Schiff dem Flying Dutchman seines Sohnes nachempfunden hat, der zu damaliger Zeit Meister in dieser Klasse war. Der Flying Dutchman wiederum wurde von Uus van Essen konstruiert – aus dessen Feder auch die Contest 33 stammt. Damit schließt sich der Kreis.

Oceanbound Bongers 39 …

… und Contest 33

Vergangene Woche habe ich mich übrigens eingehend mit dem Thema, welche Wirkung bestimmte Bücher auf uns haben, beschäftigt. Dazu habe ich einen Großteil der Segelprominenz befragt, was sie am liebsten gelesen haben und durch welche Bücher sie am meisten beeinflusst wurden. Eine interessante Geschichte, die ihr in YACHT 14/2011 (ab 22. Juni am Kiosk) lesen könnt.

Ein bisschen enttäuscht war ich, dass mir heute jemand einen echt guten und sehr, sehr günstigen gebrauchten Außenborder vor der Nase weggeschnappt hat 🙁 Schade … So billig bekommen wir den wohl nicht wieder. Aber sicher findet sich irgendwann ein anderer. Dafür hat diese Website heute den Sprung unter die Top-99 der Segelseiten gemacht! Jedenfalls unter denen, die sich auf dieser Seite registriert haben. Das Erstaunliche ist, dass die Counter für die anderen Seiten bereits seit Dezember laufen, unserer aber noch keine zwei Monate. Freut mich, dass ihr alle so oft vorbei guckt! 🙂

Johannes